Jüdisches Museum Wien, 14. Mai - 26. Oktober 1992

SPANIOLEN
DIE SEPHARDISCHE DIASPORA


Innerhalb von vier Monate hatten die Juden unter Zurückhaltung Ihres Vermögens Spanien zu verlassen. Als einziger Ausweg, den etwa 50.000 Juden wählten, bot sich die Taufe. Die „Bekehrten“ wurden „Conversos“, „Nuevos Christianos“ oder später „Marranos“ genannt. Rund 150.000 spanische Juden gingen ins Exil. Viele von ihnen wandten sich zunächst nach Portugal, wo jedoch bald Zwangchristianisierungen um sich griffen und auch hier ab 1536 die Scheiterhaufen der Inquisition loderten. Die 1492 erfolgte Vertreibung der Juden aus Spanien markierte also keineswegs das Ende der Leidengeschichte der „Spharadim“ genannten spanischen Juden. Noch viele Generationen danach folgten die Marranen den Vertriebenen. Die Wege der Exilanten führten nach Nordafrika, Nordwesteuropa, Franzreich, Italien und auch in die neue Welt. Der Hauptstrom der sephardischen Flüchtlinge jedoch suchte sich eine neue Heimat im Osmanischen Reich, das die Exilanten willkommen hieß. Seit dem 16. Jahrhundert folgten Juden aus dem Osmanischen Reich den türkischen Eroberungen und siedelten sich in den neuen Gebieten an. Auf diese Weise kam es zur Gründung der großen sephardischen Balkangemeinden. Allerdings ermöglichten erst die Friedensverträge mit dem Osmanischen Reich - der von Passarowitz im Jahre 1718 und der von Belgrad 1739 - die dauerhafte Niederlassung sephardisch-türkischer Juden in Wien. Die sich hier von nun an entfaltenden, kulturell und ökonomisch blühende sephardische Gemeinde wurde nach zweihundertjährigem Bestehen Opfer nationalsozialirischen Wahns.

Diese Ausstellung ist Teil II der gemeinsamen Ausstellung „Sephardim - Spaniolen“. Teil I, „Die Juden in Spanien bis 1492“ wurde vom 18. Mai bis 26. Oktober 1992 im Österreichischen Jüdischen Museum in Eisenstadt gezeigt.

KuratorInnen: Felicitas Heimann-Jelinek (JMW), Johannes Reiss (Jüdisches Museum Eisenstadt), Kurt Schubert (Institut für Judaistik, Uni Wien)