Folder zur Ausstellung
© Jüdisches Museum Wien

Jüdisches Museum Wien, 9. Juni - 9. November 1994

GEWIDMET DEM ANDENKEN
AUS WIENS SYNAGOGEN UND BETHäUSERN


Dieser unschätzbare Bestand an Kultobjekten, den die Wiener Kultusgemeinde dem Museum übergeben hat, ist nicht als „Sammlung“ im herkömmlichen Sinne zu verstehen. Vielmehr handelt es sich um „Eingesammeltes“, um das, was an Kultgegenständen 1945 von der einst blühenden jüdischen Gemeinde Wiens noch übrig geblieben war. Diese Gegenstände waren den ehemaligen Wiener Synagogen und Bethäusern „zur Ehre der Tora“ gewidmet, teils anonym, teils von genannten Spendern, teils „dem Andenken an“ verstorbene Verwandte des Stifters, teils auch anläßlich der Einweihung neuer Gotteshäuser. Mit der Übernahme dieses Bestandes hat das Jüdische Museum ein historisch wertvolles, aber auch ein äußerst schwieriges Vermächtnis angetreten. Denn diese Gegenstände sind nicht einfach als Kunstobjekte zu behandeln, standen sie doch als Kultobjekte in Verwendung und waren in einen konkreten Lebenszusammenhang eingebunden, aus dem sie 1938 buchstäblich herausgerissen wurden. Daher sind sie nicht nur stumme Zeugen der glanzvollen Geschichte der jüdischen Gemeinde Wiens, sie sind auch Zeugen ihrer Vernichtung. Indem in dieser Ausstellung jeweils ein prachtvoller einem zerstörten Kultgegenstand gegenübergestellt ist, soll die doppelte Bedeutung, die diesen Objekten also zukommt, bewußt gemacht werden. Ihre Präsentation ist dem Andenken gewidmet.

Kuratorin: Felicitas Heimann-Jelinek
Ausstellungsarchitektur: Martin Kohlbauer
Grafik: Krieger/Sztatecsny